Itzehoer Nachrichten
23. Januar 2002


Joel Gilfert verstärkte mehrere Monate lang die freiwilligen Brandschützer
Ein Amerikaner in Itzehoer Feuerwehr-Uniform
ITZEHOE (wbs): Das "W" ist schuld. Wenn der Amerikaner Joel Frampton Gilfert sich mit seinen Landsleuten unterhält, kann es passieren, dass sie irritiert sind. Denn Gilfert spricht das amerikanische "W" wie ein deutsches aus: Aus "What" wird quasi ein plattdeutsches "Wat," manchmal sogar ein "Was?"....

Kein Wunder - "Ich bin zwar körperlich in Amerika, aber mein Herz ist in Deutschland," sagt Gilfert in perfektem Deutsch. Fünf Jahre hat der heute 34-Jährige als Lagerleiter bei einer Dägelinger Firma gearbeitet. Nun sprang er seit Mitte Oktober nochmal für einen erkrankten Kollegen ein - und engagierte sich nebenbei in der Iztehoer Freiwilligen Feuerwehr. Nur für ein paar Monate sollte Gilfert 1995 in Deutschland bleiben, um das Tochterunternehmen einer amerikanischen Firma aubzubauen. Aus der Stippvisite wurden über fünf Jahre. Erst eine gut bezahlte Stelle lockte den Amerikaner schließlich in seine Heimatstadt Eldred in Pennsylvania zurück. Da war das Dorf Sarzbüttel in Dithmarschen längst zu seiner zweiten Heimat geworden. Fünf Jahre lang pendelte der Lagerleiter von hier aus zur Arbeit nach Dägeling. "Es war ganz einfach, in Sarzbüttel Leute kennen zu lernen, ale wollten den Amerikaner treffen, der in ihrem Dorf wohnte," erinnert Gilfert, der vor seinem Aufenthalt kein Deutsch sprach.

Das Eis war endgültig gebrochen, als Gilfert auf Anregung seiner damaligen Freundin im Musikzug der Sarzbütteler Feuerwehr zu trommeln begann. Daraus wurde ein aktives Engagement in der Truppe. Für den Amerikaner ein vertrautes Metier: Schließlich ist Gilfert seit 1985 Mitglied der Frewilligen Feuerwehr seiner Heimatstadt. Auch be seinem jüngsten Aufenthalt zog es den 34-Jährigen wieder zu Freunden nach Sarzbüttel - für den Brandschutz sorgte er dieses Mal aber in Itzehoe. Bereits im Frühjahr hatte er im Internet Kontakt zu Oberlöschmeister Jörg Meier aufgenommen - kurz nach seiner Ankunft war Gilfert in die Truppe integriert, war Montags bei den Dienstabend dabei.

Tolle Kameradschaft bei der Feuerwehr

"Bei der deutschen Feuerwehr herrscht eine tolle Kameradschaft, stärker als bei uns," sagt Gilfert. "Das schönste Erlebnis war dann auch der Kameradschaftsabend," erinnert er sich lachend. "Sylvia und ich haben so viel getanzt." Nur bei seinem letzten Dienstabend in der vergangenen Woche saß Gilfert auf einmal allein da. Die Kollegen rückten zum Einsatz in einem Itzehoer Kino aus. "Da ich keine Uniform hatte, bin ich nicht mitgefahren," erklärt er. Dennoch is Gilfert seit seiner Zeit in Deutschland stolzer Besitzer des dunkelblauen Dienstanzuges - und hat damit sogar als einziger seiner Feuerwehr-Kollegen in Eldred eine Ausgehuniform. "Das kann sich unsere kleine Feuerwehr nicht leisten," sagt er. "Als wir einen Gedenkzug für die beim Terroranschlag vom 11. September getöteten Kollegen veranstaltet haben, saß ich daher mit meiner deutschen Uniform auf dem Wagen."

Uniformen sind ohnehin das Steckenpferd des 34-Jährigen. In seinem Haus in Eldred hat er sein eigenes Museum der Militärgeschichte eingerichtet. Hier hängen neben Militärbekleidung Fahnen, Orden, Dokumente, Tausende von Exponaten hat Gilfert in den vergangenen jahren zusammengesammelt. Auch sein Interesse an der Geschichte, vor allem am Kriegsgeschehen des 20. Jahrhunderts, zog ihn 1995 nach Deutschland. Der Amerikaner nutzte seinen Aufenthalt, um mit Veteranen zu sprechen, neue Exponate zu erstehen. "Ich will die Wahrheit wissen. Die Geschichte soll nicht vergessen werden, daher will ich so viele Erinnerungen wie möglich sammeln." In seinem selbst herausgegebenen Newsletter stellt Gilfert daher einen ehemaligen ostdeutschen Grenzsoldaten vor - einen Freund aus Dägeling.

Sein Museum hält ihn nun auch in Eldred. "Wenn ich alles in Containern mitnehmen könnte, würde hier vielleicht wieder nach Deutschland ziehen," überlegt er. "Aber meine Familie ist ja auch in Eldred." Auch regelmäßige Reisen in Steinburg und Dithmarschen sind schwierig: "Ich habe nur zwei Wochen Urlaub im Jahr." Dennoch ist sich Gilfert sicher, dass der Kontakt in seine zweite Heimat nicht abreißen wird. Kollegen haben ihn bereits besucht, neue Freunde haben sich angekündigt. Seine Erlebnisse in Deutschland sind auch in Amerika gefragt. Auf den Jahreshauptversammlungen seiner Pennsylvanischen Brandschutzkollegen ist Gilfert ein gefragter Gastredner. Auch sofort nach seiner Rückkehr aus Deutschland am vergangenen Wochenende war er auf der Versammlung der Eldred Feuerwehr eingeplant. Da lehnte Gilfert nach dem langen Flug aber doch höflich ab.


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